Souvenirs

Ein Sack voll Souvenirs, nur für mich. Ich bin hin und weg! Schon rotieren meine Gedanken und ein Lied fällt mir ein:
„Souvenirs, Souvenirs“.
Das Gesicht und die etwas raue Stimme dazu, tauchen auf. Es ist Bill Ramsey und diesen Schlager muss er Ende der Fünfziger gesungen haben. Ungefähr zur gleichen Zeit wie die „Marina“ von Rocco Granata.

Ich hatte damals noch keine Ahnung, was ein Souvenir sein sollte. Wir waren, wie viele andere Familien auch, arm an Luxusgütern. Einen Fernseher gab es bei uns zuhause noch nicht. Die Serien in Schwarz/Weiß vom Löwen Clarence und dem Pferd Fury sah ich im Wohnzimmer eines Freundes. Es war das einzige Gerät im Ort. Um es zu finanzieren, wurden von uns Kindern 50 Groschen pro Kopf und Nase einkassiert.

Wir selbst hatten nur das Radio. Ein sehr altes Gerät. Es stand auf unserer Küchenkredenz und ich musste auf einen Stuhl klettern um es zu bedienen. Eigentlich hatte es mir Vater verboten, denn das Tuning war äußerst schwierig. Er war froh, wenn er einen Sender gefunden hatte, der ohne größeres Krachen zu hören war. Plattenspieler hatten wir keinen, nur ein altes Grammophon. Eine der Schellaks mit dem Titel „Pack die Badehose ein“ ist mir in Erinnerung geblieben.

Wo habe ich dann Schlager gehört? Stimmt, es war in einer Bar, in der sogenannten Schwartlingbar. Dorthin hat Vater, er war selbständiger Wäscher, die Tischwäsche zugestellt und ich habe ihn begleitet. Meistens bekam ich eine Limonade genannt Frukade und die Schlager tönten aus einem Wurlitzer. Man musste Geld einwerfen und dann konnte man sich das Lied aussuchen, das man hören wollte. Souvenirs, Souvenirs, es klingt noch heute in meinen Ohren.

Ich habe die 1. Hauptschulklasse besucht und unser Naturgeschichte Lehrer Tusch hatte eine Klassenfahrt nach Grado organisiert. Um sein Lehrfach uns näher zu bringen, wollte er uns am Strand Muscheln sammeln lassen. Zum Unterschied von heute, fanden wir diese in allen Größen, Farben und Formen. Grado war noch ein richtiges, verträumtes Fischerdorf und das Meer lebte. Wir Kinder liefen am Strand entlang. Es gab keine Absperrungen, keinen Kiosk, keine Liegestühle oder Sonnenschirme. Die Erinnerung begleitet mich ein Leben lang, da es mein erster Ausflug über die Ortsgrenze hinaus war.

Meinen Eltern, die mir die Mitfahrt ermöglicht hatten, brachte ich als kleines Dankeschön zwei Seepferdchen mit.

Souvenirs, Souvenirs!